21.06.2014 Ausflug Berlin

Filipiniana on Tour

Unsere Berlinreise Ein etwas anderer Reisebericht

von Fritz Placzek

Liebe Filipiniana Freunde,

ich möchte Euch als Sekretär des Vorstandes des Vereins „Filipiniana Hannover“ einige Impressionen von unserer Berlinreise vom 21.06.2014, die mir der „Schriftführer“ in die spitze Feder diktiert, niederschreiben und Euch anschließend in gedruckter Form, sofern gewünscht, zugänglich machen. Dieser Reisebericht soll Euch zunächst einmal einen Einblick in die Arbeit der Organisatoren und des Vorstandes, die mit den Vorbereitungen dieses Projektes betraut wurden, gestatten. Hinweisen möchte ich noch darauf, dass dieser Bericht nicht unbedingt die Meinung des gesamten Vorstandes widerspiegelt, sondern aus der Idee und Sicht des Schriftführers entstanden ist, und wie ich anmerken möchte, – der kann nichts dafür! Da der Schriftführer erst seit einem halben Jahr dem Verein angehört und mit den Gepflogenheiten des Vereins noch nicht so sehr vertraut ist, man möge ihm dieses verzeihen, darf er hoffentlich seine freie Meinung in Wort und Schrift äußern und er bittet Euch, falls mit ihm mal sein Temperament durchgeht und er eine etwas andere Meinung vertritt als Ihr, ihm dieses zu entschuldigen. Verpasst ihm bitte nicht gleich einen Maulkorb. Von mir, als seinem Sekretär, wurde der Bericht nur niedergeschrieben!

In der Mitgliederversammlung vom 02. Februar 2014 wurde die Berlinreise bereits als Ausflug angekündigt und allen Anwesenden mitgeteilt, dass der Verein bereit ist, diese Reise zu bezuschussen. In den nachfolgenden Vorstandsitzungen stand auch der Ausflug immer wieder mit auf der Tagesordnung und die Planung konnte in Angriff genommen werden. Der 21. Juni 2014 wurde als Reisetag in der Vorplanung zunächst vorgeschlagen und nach Prüfung diverser Gegebenheiten, festgelegt. Leider ließ sich zu diesem Zeitpunkt nicht vorher sehen, dass auf diesen Tag auch der Christopher Street Day fiel. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten in der Planung, durch die plötzliche, schwere Erkrankung des ersten Vorsitzenden und des Schatzmeisters, geriet die weitere Planung zunächst etwas ins Stocken. Die Fortführung der Planung durch den verbliebenen Rest des Vorstandes gestaltete sich zunächst etwas frustran, konnte aber nach der Genesung des Schatzmeisters und des ersten Vorsitzenden in vollem Umfang wieder aufgenommen werden.

Zunächst einmal stellte sich die Frage, wie viele Mitglieder eventuell an der Fahrt teilnehmen würden. Da uns im Vorfeld schon signalisiert wurde, dass von unseren Mitgliedern dreizehn Personen aus hier nicht zu erläuternden Gründen nicht mitfahren würden, lag für uns die Überlegung nahe, einen kleinen Bus zu ordern. Zwischenzeitlich hatten einige Gäste bekundet, dass sie gerne mit uns mitfahren würden. Nach einer groben Schätzung kamen wir auf etwa 40 Personen. Ein kleiner Bus mit 38 Sitzplätzen wäre somit doch zu klein. Ein Mitglied unseres Vereins, welches den Geschäftsführer des örtlichen Busunternehmens persönlich kennt, hat uns den Weg zu einer guten Verhandlungsbasis mit dieser Firma geebnet. Es wurde uns ein neuer, modern ausgestatteter Reisebus mit 57 Sitzplätzen in Aussicht gestellt. Nun konnte endlich in die konstruktive Planung, betreffs Route nach Berlin, Reisepreis für die Mitglieder und Gäste, Parkplatzsuche für das angestrebte Picknick, Organisation der Stadtrundfahrt, und diversen anderen Kriterien übergegangen werden. Nach einigen produktiven Diskussionen des Vorstandes stand endlich das Grundkonzept der Reise fest. Doch schon beim Thema Stadtrundfahrt geriet unsere gesamte Vorplanung ins Wanken. Nach vielen, wenig erbaulichen Telefonaten mit den verschiedenen Veranstaltern von Stadtrundfahrten, teilte uns eine sehr sympathische Reiseleiterin mit, dass an diesem 21. Juni 2014 auch der Christopher Street Day, eine große Party mit Demonstrationen für die Gleichstellung von Lebenspartnerschaften und Rechte für Homo, Bi, und Transsexuelle, vom Ku´Damm bis zur Siegessäule stattfindet. Da wir bis dato schon einige Anmeldungen für die Fahrt am 21. Juni 2014 angenommen hatten, ließ sich der Zeitpunkt der Reise nicht mehr ohne größere Schwierigkeiten, verschieben. Diese Reiseleiterin schien sehr bemüht und machte uns ein interessantes Angebot über eine Alternativroute mit dem Bus, die durch den Osten der Stadt führt, da die City durch den CSD (Christopher Street Day) weiträumig gesperrt sei. Nun konnte die Planung in die Endphase gehen. Der Schatzmeister hatte inzwischen den Preis der Reisenden für die Busfahrt ermittelt, der vom Vorstand auch genehmigt wurde und nun konnte der Bus geordert werden. Eine ansprechende Einladung an die Mitglieder wurde vom Schatzmeister verfasst, die er ins Internet auf unsere Facebookseite Filipiniana stellte, in der Hoffnung, dass alle Mitglieder diese Einladung lesen würden. Die Seite wurde relativ häufig angeklickt. Die Reaktion auf diese Einladung war bis auf wenige Ausnahmen, überwiegend positiv. Bedauerlicher Weise war es einigen Mitgliedern nicht vergönnt wegen Wochenenddienst oder Erkrankung an diesem Ausflug teilzunehmen – dennoch wurde es eine rundum gelungene Reise.

Los ging es am 21.06. 2014. – Ein notwendiges Übel war das Aufstehen, noch mitten in der Nacht, um 4°° Uhr Morgens, also kurz nach Mitternacht! Noch relativ träge wurde erst einmal gründlich geduscht, aber bitte warm, denn sonst würde das kalte Wasser die bis dahin noch schlafenden Lebensgeister und trägen Glieder, schockartig aus dem Dämmerschlaf aufwecken. Das wäre fatal! Dann das übliche: Umkleideübungen, bis man sich für die richtige Kleidung entschieden hat, dann Kosmetik vor dem Spiegel, – eine halbe Stunde ist gar nichts! Aber wir Männer sind ja geduldig!

Wir, der Schatzmeister mit Familie, meine Frau und ich begannen die Reise vom Betriebsgelände des Busunternehmens in Lehrte aus. Für kurze Zeit hatten wir den großen Bus für uns allein.

2014-berlin-01Über die Autobahn ging es zum vereinbarten Treffpunkt, dem Park & Ride Parkplatz am HDI Gebäude, wo sich die meisten Mitglieder unseres Vereins versammelt hatten und schon auf uns warteten. Es herrschte dort ein reges Treiben und trotz der doch recht frühen Morgenstunde, eine Fröhlichkeit, ein Lachen und Schnattern, wie wir es als sture Norddeutsche selten erleben. Und das bei der Kälte! Das Busthermometer zeigte zwar 16° Celsius Außentemperatur, aber es fühlte sich eher wie 11° Celsius an. Der Wecker zeigte auf 5 Uhr 50 als endlich alle Utensilien im Bus verstaut, und die Mitglieder eingestiegen waren. Nun nahm sich der Vorsitzende, Christopher Macasero das Mikrofon zur Hand und begrüßte alle Mitreisenden und wünschte uns einen schönen Ausflug. Zudem gab er noch bekannt, dass einige Gäste aus Braunschweig auf dem Autohof in Lehre zusteigen würden. Nachdem sich nun auch der Anfangs noch freundliche Busfahrer vorgestellt und uns alle auf die Anschnallpflicht hingewiesen hatte, konnte die Reise beginnen. Inzwischen war der Zeiger der Uhr auf 6°°Uhr vor gerückt, als wir Hannover in Richtung Autobahn verließen. Kaum waren wir auf der Autobahn, schon stieg das Stimmungsbarometer im hinteren Teil des Busses, in der sich überwiegend die holde Weiblichkeit befand, wieder beträchtlich an. Es wurde laut gelacht, gejuchzt und erzählt. Während einige Mitreisende im vorderen Teil des Busses versuchten, ihren unterbrochenen Schlaf etwas nachzuholen, wurde die Stimmung im hinteren Busteil immer ausgelassener. Schon bald hatten wir den Autohof Lehre erreicht und die Stimmung konnte nicht schöner sein. Dort warteten die angekündigten Gäste auf uns und als diese eingestiegen und begrüßt worden waren, ging die Fahrt weiter. Schon bald war die Stimmung wieder auf dem Level, wie vor dem Zwischenstopp – und unsere Gäste mittendrin.

Bei Helmstedt passierten wir den ehemaligen Zonenkontrollpunkt Marienborn. Nur ein paar Wachtürme diesseits und jenseits der Autobahn, an denen der Zahn der Zeit schon etwas genagt hatte, lassen den Verlauf der ehemaligen Grenze mit Todesstreifen, Selbstschussanlagen und Stacheldrahtzäunen, erahnen. Den eigentlichen Grenzverlauf hat sich Mutter Natur wieder zurück erobert. Nur an einigen Stellen wird der Grenzverlauf als Museumsansicht noch erhalten. Es folgte eine abwechslungsreiche Landschaft mit Wiesen, Felder und Wälder. Nur ab und zu sah man etwas abgelegen der Autobahn vereinzelte Häuser oder kleine Ortschaften. Schon bald wurde die Besiedlung dichter und wir passierten die Silhouette von Magdeburg. Abgelenkt durch das Geschehen und die Stimmung im Bus und die interessierte Betrachtung der Landschaft hatten wir bald den Parkplatz Parforceheide erreicht. Ein schöner geräumiger Parkplatz, von vielen Büschen und Sträuchern umgeben, grüne Tische und Bänke rundeten das Gesamtbild ab und luden uns zum Verweilen ein. Picknick war angesagt! – Alles aussteigen hieß es.

 Endlich aussteigen und die vom langen Sitzen steifen Knochen mal wieder durch bewegen. Der mitgebrachte Bierzelttisch wurde aufgestellt und das von den Mitgliedern gekochte Essen aufgebaut und2014-berlin-02 jeder durfte sich b2014-berlin-03edienen. Eine festlich gedeckte Tafel. Schöner als im Grand Hotel! Während die Einen sich dem reich gedeckten Tisch widmeten, verließen andere den Platz zielstrebig in Richtung eines gewissen Örtchens. Trotz des recht kühlen Wetters wurde das Picknick gut angenommen. Da wir den Rastplatz früher als ursprünglich vermutet erreichen würden, wären wir vermutlich auch früher in Berlin. Also riefen wir riefen die Reiseleiterin an, ob wir uns mit ihr eine halbe Stunde früher treffen könnten. Sie sagte sofort zu und wir verabredeten uns mit ihr um 11 Uhr 10 am Skandic Hotel am Potsdamer Platz. Alsbald wurde der gedeckte Tisch wieder abgeräumt, die Utensilien wieder im Bus verstaut und endlich durften wir wieder im Bus Platz nehmen. Wir hatten ja lange nicht mehr gesessen! Weiter ging die Reise in Richtung Berlin. Nach gefühlten zwanzig Minuten Fahrt und guter Laune erreichten wir die Randgebiete der Bundeshauptstadt. Sicher beförderte uns der Busfahrer durch die Straßen, vorbei an Grünanlagen, kleinen Siedlungen, an großen Wohnblöcken, über Brücken, bis uns das Navi irgendwann vor das Scandic Hotel geführt hatte. Während einige Mitreisende ihrem Hobby, der Fotografie nachgingen, beobachteten wir gespannt den Ausgang der U – Bahn Station. Von hier musste sie kommen, unsere Reiseleiterin. Viele Menschen kamen und gingen, nur unsere Reiseleiterin nicht. Doch, endlich kam eine junge Dame durch den Ausgang der U – Bahn Station und ging zielstrebig auf unseren Bus zu. Nachdem wir sie begrüßt und sie sich als unsere Reiseleitung vorgestellt hatte, erklärte sie uns, dass zusätzlich zur Parade zum 36 ten Christopher Street Day (CSD), der vom Ku´Damm Richtung Siegessäule zieht, noch eine Gegendemonstration aus der anderen Richtung, also in Richtung Charlottenburg käme, zudem würde gerade ein transgetialer CSD in Kreuzberg starten. Doch nicht genug des Guten. Am heutigen Tage sei auch die „Fete de la Musique“ – auf 111 Bühnen fänden Musikevents an verschiedenen Plätzen statt, kostenlos, sodass die City, nebst Ku´Damm, Brandenburger Tor und Regierungsviertel, weiträumig gesperrt worden sei. Dennoch startete sie eine Rundreise durch den Osten von Berlin, eine Reise durch verschiedene Epochen, eine Reise durch eine nicht gerade glorreiche Vergangenheit Deutschlands. Sie erwähnte, dass Berlin Anno 1237 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Schöne, prachtvolle Bauten aus der Biedermeierzeit standen neben modernen Betonklötzen und dazwischen schauten halb verfallene Ruinen hervor. – Berlin im Aufbau! Durch enge Straßen ging es vorbei an alten Villen, modernen, architektonisch maßlos entgleisten Betonbauten, vorbei am Checkpoint Charly. Sie berichtete, dass der Checkpoint Charlie der berühmteste Grenzübergang in der Berliner Mauer gewesen sei. Von 1960 bis 1990 verband er die Friedrichstraße mit der Kochstraße, also den sowjetischen Sektor mit dem amerikanischen Sektor. Es stellte eine Brücke zwischen dem Ostberliner Bezirk Mitte und dem Westberliner Bezirk Kreuzberg dar. Checkpoint Charlie wurde beim Mauerbau 1961 errichtet um den Grenzübertritt des Westalliierten Militärpersonals und der sowjetischen Militärverbindungsmission zu erfassen, zu Prüfen, warum und zu dokumentieren. Vorbei ging es weiter an einigen als 2014-berlin-04Mahnmal stehen gelassenen Mauerresten, teils mit künstlerischen Graffiti verziert, unter anderem der sozialistische Bruderkuss zwischen Brechnew und Honecker und vielen anderen Motiven.

2014-berlin-05Durch Friedrichshain, Neukölln, Kreuzberg fuhren wir vorbei am modern gestalteten Hauptbahnhof – ehemals Lehrter Bahnhof – , der Karl – Marx – Allee, Straße des 17 ten Juni, Friedrichstraße, Hackescher Markt, Hackesche Höfe, vorbei an der Straße Unter den Linden in Richtung Regierungsviertel. Das Brandenburger Tor war durch die Absperrung der City vom Bus aus nur von der Seite zu sehen. Nicht in seiner schönen Gesamtansicht mit den Säulen und der Quadriga. Die Hackeschen Höfe sind Deutschlands größtes, geschlossenes Hofareal. Es wurde Mitte der 90 ger Jahre renoviert und wird durch Kunst, Kultur, Gewerbe, Wohnen und Gastronomie genutzt. Zu einem starken Publikumsmagnet hat sich der Hacksche Markt zwischen Friedrich-straße und Alex entwickelt. Von den Einheimischen weniger frequentiert, spricht er eher die Touristen an. Inhabergeführte Manufakturen, Fashion Stores und Design Läden laden zum Shoppen ein.

Berlin hat eine Fläche von 891,89 Quadratkilometern mit 3,4 Millionen Einwohner, wovon 3419 auf einem Quadratkilometer wohnen. Außer der Havel und der Spree gibt es viele kleine Fließgewässer im Stadtgebiet. Zahlreiche Seen und Wälder laden Sonnenhungrige und Vergnügungssüchtige zum Verweilen ein. Um die Mentalität der Berliner verstehen zu können, muss man in Berlin geboren sein. Ab 1949 war der Ostteil Berlins die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik, erst nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde Berlin wieder zur gesamtdeutschen Bundeshauptstadt. Der Sitz der Bundesregierung, des Bundestages, des Bundesrates, ebenso viele Bundesministerien und Botschaften wurden von Bonn nach Berlin verlegt. Leider wurde uns die Zufahrt zum Regierungsviertel von der Polizei verwehrt, aber unsere charmante Reiseleitung kannte sich in Berlin aus und hat die Polizei ausgetrickst. Durch enge, für den großen Bus kaum passierbare Gassen, lotste sie uns am Bundesratsgebäude, am Bundestag und an der Privatwohnung der Bundeskanzlerin vorbei zum Alex (Alexanderplatz). Nach gut zwei Stunden mit vielen interessanten Informationen gefüttert, vorbei an vielen, sonst von den Touristen kaum wahrgenommenen Gebäuden, die in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik aber eine wichtige Rolle spielten, und durch Stadtteile, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, endete die Stadtführung durch den Ostteil Berlins und Frau Klee verabschiedete sich von uns.

Nun hatten wir circa drei Stunden zur freien Verfügung, ehe die Reise wieder Heimwärts gehen sollte. Während die eine Gruppe in Richtung Nikolaiviertel unterwegs war, überquerten wir den Alex. Monumental ragte vor uns der 368 m hohe Fernsehturm in den Himmel. Zwei moderne Fahrstühle bringen die Besucher in die in 203 m Höhe befindliche Kugel, in deren unteren Bereich in 203 m Höhe sich der Panoramabereich befindet. Eine Etage höher, in 207 m befindet sich ein Café. Trotz der Schwindelerregenden Höhe schwankt der Turm am Café nur etwa 15 cm hin und her. In 368 m Höhe, an der Spitze des Turmes, sind es auch nur 60 cm. Dieses Schwanken ist im Cafe kaum wahrnehmbar, ist aber für die Standsicherheit des Turmes wichtig. Der Alexanderplatz war zu dieser Zeit von Touristen vieler Nationen bevölkert. Eine riesige Menschentraube umlagerte die große Weltzeituhr, – jeder wollte schauen, welche Uhrzeit, ausgehend von der Zeit in Berlin, gerade für seine Heimat angezeigt wurde. Überall gaben Kleinkunstdarsteller, wie Clown´s, Artisten und Musiker ihr Debüt. Die Geräuschkulisse war dementsprechend laut. Während einige Musikfetzen von allen Seiten auf uns eindrangen, versuchten wir dem Geschnatter eines Artisten zu folgen. Nachdem wir dem bunten Treiben eine Weile gelauscht hatten, immer weit genug vom Ort des Geschehens entfernt, damit die Darsteller nicht auf die glorreiche Idee kamen, uns in die Vorstellung mit ein zu beziehen, begaben wir uns zum Aquadom.

Im Entree steht das Welt größte, freistehende, zylindrischen Aquarium der Welt. Der Anblick am Fuß des monumentalen Aquariums lässt seine gewaltige Dimension nur erahnen. Im beleuchteten Inneren schwimmen 1500 Fische verschiedener Arten herum. Gewaltige Korallen stellen die Unterwasserwelt eindrucksvoll dar.

2014-berlin-07Ein Aufzug führt durch den Mittelpunkt des riesigen Zylinders in das darüber liegende Stockwerk mit Sea Life, der eindrucksvollen Darstellung der Unterwasserwelt mit Fischen aus allen Weltmeeren und vielen Nachbildungen, wie Hamburger Hafen, Mittelmeerbecken etc. Das Aquarium ist 25 Meter hoch und fasst mit seinen 12 Metern Durchmesser über eine Million Liter Wasser. Das bedeutet ja, dass das Becken mindestens 1000 Tonnen wiegt. Während wir den Aquadome ansahen, schaute sich die andere Gruppe das Nikolaiviertel an. Es ist Berlins ältestes Wohngebiet. Zentrales Bauwerk ist die Nikolaikirche, eine spätgotische Felssteinbasilika, die im 12. Jahrhundert fertiggestellt wurde. Rund um die Basilika entstanden die Siedlungen Berlin und Cölln. Verbunden durch den Mühlendamm erhielten sie im Jahr 1230 die Stadtrechte. Die vielen Fachwerkhäuser mit ihren engen Gassen waren Sitz der Bürger und Handwerker.

2014-berlin-06Im zweiten Weltkrieg wurde fast das ganze Viertel durch den Bombenhagel zerstört. Lange spielte es in der DDR keine Rolle, sollte sogar einem gewaltigen Hafenbecken der Spree weichen. Erst zur 750-Jahrfeier Berlins im Jahre 1987 erinnerte man sich an die historische Bedeutung des Viertels und begann mit der Rekonstruktion und dem Wiederaufbau. Alte Gebäude wurden restauriert, neue in Plattenbauweise errichtet, erhielten eine historische Fassade. Schnörkel und Verzierungen wurden nachgearbeitet und in die Fassaden eingebaut. Doch nicht überall ist es gelungen, das alte Stadtbild wieder herzustellen. Nur einige enge Gassen spiegeln das mittelalterliche Stadtbild wieder. Nach der Besichtigung des Aquadom´s trennten wir uns und jeder ging seiner Wege, bis wir uns um 17 Uhr wieder am Bus trafen. Nun wurden erst einmal Erfahrungen ausgetauscht. Wo wart ihr? – Hast du das gesehen? – Da habt ihr aber einiges versäumt! Für mich persönlich gab es genügend Eindrücke, die ich in der kürze der Zeit, erst einmal verarbeiten und Revue passieren lassen musste.

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Nachdem Herr Macasero die Personenzahl im Bus wieder durchgezählt hatte, ob alle wieder anwesend waren und ob sich nicht ein Fremder eingeschlichen hatte, traten wir die Heimfahrt an. Während einige Personen fast völlig erschlagen in den Seilen hingen, waren andere an Fröhlichkeit nicht zu toppen. Die Stimmung war immer noch Super. Hier und dort hörte man verhalten Stimmen: Ob wir es bis zum Anpfiff des Fußballspiels bis nach Hause schaffen? War doch an diesem Abend das Weltmeisterschaftsspiel Deutschland gegen Ghana. Anpfiff 21 Uhr. Doch die Frage stellte sich eigentlich gar nicht, denn erst einmal mussten wir aus Berlin heraus sein. Da zu dieser Zeit außer uns noch viele andere Touristen und Einheimische Berlin verlassen wollten, kam es zu einem immensen Stau.

Nichts ging mehr! Rechts – ging nichts! Links – ging nichts! Geradeaus – ging auch nichts!

Mit viel Geduld und unter Umgehung zahlreicher Verbote gelang es dem Fahrer schließlich, Berlin nach über einer Stunde Irrfahrt durch die verschiedensten Stadtteile, endlich zu verlassen. Der ansonsten freundliche Fahrer wirkte zu diesem Zeitpunkt schon etwas genervt, wollte er doch seine Fahrzeit nicht überschreiten. Er teilte uns mit, dass seine Ablösung bereits unterwegs sei. Geplant war, dass wir unser abendliches Picknick wieder, wie schon am Morgen, auf dem Parkplatz Parforceheide abhalten. Wir baten den Fahrer, Parforceheide wieder anzufahren. Leicht maulig erklärte uns der Fahrer, dass das nicht ginge, da ihn sein Kollege dort nicht ablösen könnte. Der müsste immerhin 15 Km Umweg fahren und sein Chef hätte gesagt, sie sollten an der Raststätte Ziesar halten und dort die Ablösung durchführen. Basta! Ohne ihm Honig ums Maul schmieren zu wollen, redeten wir zunächst mit Engelszungen, später schon etwas fordernd, auf ihn ein und versuchten ihn umzustimmen. Aber er blieb stur und bestand darauf, in Ziesar zu halten. Ehe er uns nun vor die Tür setzten würde und zu Fuß nach Hause laufen ließ, stimmten wir letztendlich etwas angezickt seiner Forderung zu. Der erste Vorsitzende ging mit dem Hut im Bus herum und sammelte einen kleinen Obulus für den ansonsten, zuvor immer freundlichen Fahrer ein.

Als wir den Parkplatz Ziesar erreichten, konnte die Enttäuschung nicht größer sein. Keine Tische, keine Bänke, nur eine Tankstelle in einiger Entfernung. Zudem war es noch kühler geworden, doch das ließ unseren Mitgliedern nicht die Stimmung verderben. Längst war unser Picknick auf diesem von Werkstätten umgebenen, ungemütlichen Parkplatz nicht so schön, wie zuvor am Morgen. Woran das wohl lag? Vielleicht an der allgemeinen Erschöpfung? Doch ein Blick in die Gesichter der einzelnen Mitglieder belehrte uns eines Besseren. Die schienen mit der Wahl des Rastplatzes auch nicht einverstanden zu sein. Der Schriftführer auch nicht. Und ich auch nicht. Schon gar nicht der Schatzmeister. Nachdem der neue Fahrer den Weg zu der Raststätte gefunden hatte, packten wir bald wieder die Esssachen ein und begaben uns in den Bus für die letzte Etappe. Schon bald passierten wir wieder den Zonenkontrollpunkt Marienborn. Von weitem sahen wir die Kontrolltürme rechts und links der Autobahn stehen und ein beklemmendes Gefühl überkam mich. War hier an der ehemaligen Demarkationslinie, wie die Todesgrenze oft genannt wurde, doch für viele Menschen, die Welt zu Ende! Nach wie vor war die Stimmung im Bus sehr gut. In Lehre, auf dem Parkplatz, stiegen unsere Gäste wieder aus. Sie signalisierten uns, dass es ihnen gefallen hatte und das unser Verein, der mit 43 Mitgliedern, nicht gerade der Größte ist, so eine Reise überhaupt organisiert bekommen hätte. Zufrieden über diese Aussage fuhren wir mit dem maulfaulen Fahrer in das Abendrot Richtung Hannover.

Als wir die Abfahrt in Hannover Lahe erreichten, war es inzwischen 21 Uhr 20. Das Fußballspiel zwischen Deutschland und Ghana stand immer noch Null zu Null, also hatte sich noch nichts dramatisches ereignet. In Hannover ließ angesichts der späten Stunde und des wenigen Verkehrsaufkommen die Aufmerksamkeit des Fahrers rigoros nach und er ignorierte eine dunkelrote Ampel, die er seelenruhig kreuzte. Endlich hatten wir den Park & Ride Parkplatz ohne weitere Zwischenfälle und wohlbehalten erreicht. Der erste Vorsitzende dankte den Organisatoren noch einmal herzlich für die schöne Fahrt und allen Mitgliedern wünschte er noch einen schönen Abend. Alle, die in Hannover eingestiegen waren, verließen auch hier wieder den Bus. Küsschen hier, Küsschen da, manchen fiel der Abschied schwer, andere wiederum hatten es eilig, schnell nach Hause zu kommen! Nun konnten auch wir, der Schatzmeister und Familie und ich, der Schriftführer und Sekretär, mit meiner Frau, wieder mit dem Bus nach Lehrte fahren! Dort luden wir die restlichen Utensilien aus dem Bus, verabschiedeten uns voneinander und fuhren glücklich und zufrieden nach Hause.